Den kann er gut gebrauchen: Im Algerienkrieg verlor er seinen Vater durch eine Mine, worauf seine Mutter wahnsinnig wurde und Bazil ins Waisenhaus kam. Inzwischen ist Bazil erwachsen, ein großer Fan alter Schwarz-Weiß-Filme und hat seinen Traumjob in einer Videothek gefunden. Da trifft ihn das Verhängnis in Gestalt einer verirrten Pistolenkugel, die ihn beinahe das Leben kostet. Als Bazil nach langer Zeit das Krankenhaus verläßt, ist er vollkommen mittellos, ohne Job und Wohnung.
Er findet Unterschlupf bei einer Gruppe merkwürdiger Leute, die sich unter einem Schrottplatz einquartiert haben. Diese Müll-WG ist eine Ansammlung burlesker Figuren, allesamt Superhelden des Alltags. Denn jeder verfügt nicht nur über einen liebenswerten Charakter, sondern zusätzlich über mindestens eine außergewöhnliche Fähigkeit. Mit Hilfe seiner neuen Freunde startet Bazil einen Rachefeldzug, und zwar gegen die beiden Männer, die sein Leben zerstört haben: zwei miteinander verfeindete Waffenproduzenten. Der eine hat die Mine produziert, die Bazils Vater umbrachte, der andere die beinahe tödliche Patrone, die inoperabel in Bazils Kopf steckt. Einfallsreich und intelligent werden die beiden schwerreichen und skrupellosen Industriellen gegeneinander ausgespielt, bis sie sich selbst vernichten.
Was auf den ersten Blick wie ein Sozialdrama mit kleinen Späßen und einem Hauch Ocean’s 11-13 aussieht, ist eine gelegentlich hochkomische und fast immer unkonventionelle Märchenkomödie voll absurdem Witz und schneidender Ironie, vor allem aber eine bilderreiche und fantasievolle Burleske, die streckenweise an Commedia dell’arte und den frühen Molière erinnert.
Jean-Pierre Jeunet, Begründer und eifrigster Verfechter der französischen Krawallpoesie, liefert hier eine im besten Sinne des Wortes einfache Lösung für den Kampf der Guten gegen die Bösen: Gemeinsam seid ihr stark! Nicht ganz neu, aber wirksam. Es sind die Randexistenzen, die Ärmsten, die Häßlichen und die Gestörten, denen Jeunets Zuneigung gehört. Sie könnten die Welt retten. Die Normalen hingegen haben in der Hektik des Überlebensalltags ihre Sensibilität und ihr Rückgrat verloren.
Der Kameramann Tetsuo Nagata findet dazu eindringliche Bilder von hohem Schauwert, in denen rustikale Komik und schräge Poetik elegant zusammenfinden. Kleiner Bonus für Jeunet-Fans: In vielen Szenen finden sich Anspielungen und Hinweise auf frühere Filme. Schön anzusehen.
sic!
Quelle: Yorcker