Yoga, Ayurveda, Tai Chi und Qi Gong dienen der Prävention von Beschwerden ebenso wie dem persönlichen Wohlergehen. Sie beheben Zivilisationskrankheiten wie Rücken- oder Kopfschmerzen, Verdauungs- und Hautprobleme, Allergien, Asthma und noch so viel anderes, und zwar ohne bittere Pillen, langwierige und schmerzhafte Therapien, manchmal verhindern sie sogar eine Operation. Deshalb werde ich im Folgenden zwei weitere asiatische Techniken vorstellen, die sowohl körperliche Leiden lindern, als auch die seelische Gesundheit fördern oder gar wiederherstellen.
Akupunktur (lateinisch acus für „Nadel“ und pungere oder punctum für „stechen“ oder „Stich“) ist ein wichtiges Teilgebiet der klassischen chinesischen Medizin. Die ersten Aufzeichnungen darüber sind rund 2500 Jahre alt. Zu dieser Zeit malten sich die Völker in Europa ihre Körper noch mit Farbe an und stürzten sich brüllend auf verfeindete Horden; auf die Idee, medizinische Untersuchungen anzustellen oder gar schriftlich festzuhalten, sind nur die wenigsten gekommen. Bei der Akupunktur werden (von ausgebildeten und erfahrenen Heilpraktikern – bitte nicht mit Omas Strickzeug zu Hause experimentieren!) entweder sehr feine und dünne Nadeln in so genannte Akupunkturpunkte gestochen, die an Meridianen über den gesamten Körper verteilt sind, oder diese Punkte werden durch Wärme stimuliert. Das Ziel ist es, dadurch positiv auf den Fluss der Lebensenergie (Chi) einzuwirken. Da Krankheiten und Beschwerden laut den chinesischen Medizinern von Verstopfungen oder anderen Störungen des Chi verursacht werden, müssen diese Lebenskräfte durch Akupunktur oder Massagen wieder erweckt werden, damit der Körper sich selbst heilen kann. Eine Therapiesitzung bei uns dauert etwa 20 bis 30 Minuten, es wird pro Sitzung nur ein Bruchteil der über 400 Akupunkturpunkte des menschlichen Körpers stimuliert. Der Patient sitzt oder liegt entspannt, die Einstichstellen werden vorher kurz massiert.
Laut der Weltgesundheitsorginisation WHO kann Akupunktur folgende Beschwerden lindern: Erkrankungen der Atemwege, Magengeschwüre, Schlafstörungen, Bronchialasthma, Augenerkrankungen, neurologische Störungen, chronische Schmerzen ohne körperlichen Befund, Migräne, Erkrankungen im Mundbereich und Schwangerschaftsbeschwerden. So habe ich zum Beispiel von einer Freundin erfahren, dass die sechs Akupunktursitzungen, die ihre Hebamme ihr während der Schwangerschaft verabreicht hat (jeweils eine Nadel in der Stirn, im kleinen Zeh und zwischen Daumen und Zeigefinger) ihre Rückenschmerzen und die Übelkeit gelindert haben, die Wehen und den Geburtsvorgang erleichterten. Außerdem hat sie die Einstiche nicht gespürt, aber die wohltuende und entspannende Wirkung haben ihr sehr geholfen. Gewarnt wird allerdings davor, bei schweren Krankheiten wie Krebs oder Multipler Sklerose Akupunktur anzuwenden!
Seit 2007 werden Akupunkturtherapien zur Linderung von chronischen Rücken- oder Gelenkschmerzen von den Krankenkassen übernommen, immer mehr Kassen erweitern dieses Angebot auch auf Kopfschmerzen oder Schwangerschaftsbeschwerden.
Auch die Akupressur ist eine traditionelle chinesische und japanische Heilmethode. Im Gegensatz zur Akupunktur arbeitet die Akupressur nicht mit Nadeln und Einstichen, um den Fluss der Lebensenergie wiederherzustellen, sondern mit Drucktechniken. Ansonsten gibt es nicht viele Unterschiede zwischen beiden Behandlungsarten. Vorher festgelegte Akupressurpunkte werden durch Druck stimuliert, die dabei entstehende Wärme wirkt heilend auf Irritationen des Chi und gleichzeitig wohltuend auf den Geist.
Eine Unterart oder Abwandlung der Akupressur ist Shiatsu (vom japanischen shi für „Finger“ und atsu für „Druck“). Diese Körpertherapie verbindet chinesische Massagetechniken mit manuellen Behandlungsmethoden, sodass keine einfache Entspannungsmassage entsteht, sondern diese mit der heilenden Wirkung der Akupressur zusammenarbeitet. Allerdings konzentriert sich Shiatsu nicht vordergründig auf Druckpunkte; zur Berührung wird der ganze Körper eingesetzt. Der Behandelnde versucht während der Sitzung, eine Verbindung zum Chi des Patienten herzustellen und dies durch seine eigene, gesunde Energie zu heilen. Shiatsu wirkt auf den Körper, die Emotionen und den Geist. Einsatzgebiete findet man besonders bei Knie-, Hüft-, Schulter-, Kopf- und Rückenschmerzen.
Wer also regelmäßig Probleme mit den so genannten Zivilisationskrankheiten hat, viel im Sitzen und vor dem Computer arbeitet oder zu Migräne neigt, sollte einfach mal einen Termin mit einem ausgebildeten Heilpraktiker machen, anstatt zum Schmerzmittel zu greifen oder die Beschwerden gänzlich zu ignorieren.
Tina „Meister Miyagi“ Mottok
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