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Redaktionelles aus dem Bereich Fitness

Fit in den Frühling!
Mit Musik und Schwung in die Warmwettersaison

Der Winter war lang, hart und kalt. Sibirische Temperaturen ließen jeden Bewohner der nördlichen Halbkugel in einem Zustand des Dauerfrostes bibbern, meterhohe und zentnerschwere Schnee- und Eisberge machte die Wege zur Arbeit zur Tortur und die Heimwege zu einer Schlitterpartie im Stockdunkeln. Als es Ende Februar endlich zu tauen begann, atmeten alle auf, und die Welt fing an, sich auf den Frühling einzustellen. Zunächst mal psychisch, nach Monaten der reinen Dämmerungszeit ohne richtiges Tageslicht ein echter Überwindungsakt, und dann auch physisch. Der Schritt auf die Waage löste bei manch einem Verzweiflung aus: Um Gottes Willen, die Anzeige muss kaputt sein!

Verständlich ist es ja schon, dass sich ein ganz normaler, an gemäßigtes Wetter gewöhnter Mitteleuropäer in einer solchen Eiszeit wie im Winter 2009/2010 ein Kälte- und Frustpolster angefuttert hat, wie man es sonst nur von den Polarbären kennt.

Doch sobald die ersten Sonnenstrahlen die Erde erwärmen, wollen alle raus ins Leben, schließlich hat man ja lange genug auf der Heizung gesessen, um sich aufzuwärmen! Aber bevor wieder Scharen von Menschen in die Parks, Biergärten und irgendwann auch Schwimmbäder stürzen, muss der Winterspeck weg. Am besten schnell, einfach und mit Spaß. Die Frage lautet also: Wie kann ich nach einem langen, sportlosen Winter mit Elan und Begeisterung Pfunde verbrennen, ohne schon nach kürzester Zeit die Lust zu verlieren? Eine besonders beliebte Möglichkeit für Groß und Klein, Jung und Alt, Männchen und Weibchen ist Tanzen. Nicht Tango, Walzer oder TwoStep, was auch Spaß macht, wofür man aber eine gewisse Grundkondition braucht, sondern Tanzfitness: Eine Mischung von Fitnessübungen und Tanzelementen zu aufmunternderer Musik.
Vorgestellt werden drei Methoden, die den überflüssigen Kilos schnell den Gar aus machen.

Aeriobic: ein dynamisches (aerobes) Fitnesstraining mit rhythmischen Bewegungen zu motivierender Musik. Aerobickurse sind besonders bei Frauen beliebt, gleichen einem schweißtreibenden Kaffeekränzchen mit guten Freundinnen. Der Kreislauf wird angeregt, die Pfunde purzeln, die Stimmung hebt sich. Ausdauer, Koordination, Gymnastik und Tanz – Aerobic ist kein starres Folterprogramm, sondern eine belebende Kombination aus Training, Tanzschritten und den Lieblingsliedern der Teilnehmer(innen). Normalerweise wird mit dem warm-up (Erwärmung und Dehnung) begonnen, anschließend folgt das Herz-Kreislauf-Training und zum Schluss der Cool-down (Abkühlung). Ganz wichtig: Nachdehnen und Entspannen nicht vergessen! So hält man den Körper fit und vermeidet Muskelkrämpfe.

Tae Bo: von Fitness-Guru Billy Blanks entwickelte Sportart mit asiatischen Kampfelementen aus Karate, Taekwando, Kickboxen und Aerobic, alles zu schneller Musik und mit Tanzschritten unterlegt. Und wer schon immer mal wissen wollte, was Tae Bo heißt, hier die Erläuterung: Total Commitment to whatever you do (totale Verpflichtung gegenüber allem, was man macht) Awareness of yourself and the world (Bewusstsein von sich selbst und der Welt) Excellence, the truest goal in anything you do (Vortrefflichkeit, das wahrhafte Ziel all dessen, was man macht) Body as a force of total change (der Körper als die Macht des totalen Wandels) Obedience to your will and your true desire to change (Gehorsam gegenüber dem eigenen Willen und dem Wunsch nach Veränderung) Tae Bo besteht aus acht einfachen Techniken aus dem Kampfsport und Zusatztechniken, die je Kondition und Leistungsstand angepasst werden können. Dazu erklingt motivierende Musik, und das Ergebnis ist ein gezieltes, kraftvolles, intensives Workout mit hoher Körperspannung, das der Verbesserung von Ausdauer, Stärke und Beweglichkeit dient, und den Kreislauf stärkt.

Capoeira: ein brasilianischer Kampftanz, der, laut Lexikon, während der Kolonialzeit von aus Afrika eingeschleppten Skalven in Brasilien praktiziert und weiter entwickelt wurde. Capoeira ist eine Kombination von Akrobatik, Kampfsport, Rhythmik, Reaktionsfähigkeit, Improvisation und Kreativität, und macht damit nicht nur fit, stark und glücklich, sondern steigert auch die Beweglichkeit des Geistes. Im Vordergrund steht Malícia (=Schläue, Verschlagenheit, Kriegslist), die Seele des Capoeira. Die wahre Stärke eines Capoeirista soll nämlich nicht auf den ersten Blick zu erkennen sein, sondern klug versteckt, sodass ein Gegner überrascht werden kann. Denn: Taktik ist wichtiger als Technik! Es gibt zwei Arten: Capoeira Angola ist langsamer, konzentriert, wirkt gelassen und mühelos, ist aber im Ernstfall eben durch diesen behäbigen ersten Eindruck um so gefährlicher. Capoeira Regional dagegen ist schnell, laut, verwendet hohe, direkte Tritte und mehr Akrobatik. Besonders die zweite Variante drückt absolute Lebenslust und Lebensfreude aus.

Was passiert nun beim Capoeira? Ein ausschlaggebendes Element ist die Roda (=Kreis, Runde). Meistens spielen Musiker ein Lied, und die Leute, die den Kreis bilden, klatschen dazu den Rhythmus und singen. Zwei Capoeiristas betreten die Roda und zeigen ihr akrobatisches Geschick beim Tanzen und Kämpfen. Die „Zuschauer“ können jederzeit die Rolle des Aktiven übernehmen, indem sie einen oder beide Spieler „abklatschen“. Daher findet ständig ein dynamischer, reger Austausch statt. Jeder kann also mitmachen, und wer Ruhe braucht, tauscht einfach den Platz mit einem anderen Capoeirista. Besonders interessant bei diesem Kampf-Tanz-Spiel sind die Grundbewegungen. Da gibt es Schläge, die als tödlich gelten (z.B. den Rochenschwanz), Betäubungsschläge (z.B. der Hammer) oder Würfe (z.B. die Rache). Auch Fluchtbewegungen und Floreios (Ausschmückungen) sind sehenswert. Natürlich wird Capoeira heute nicht mehr als Kampf praktiziert, und natürlich ist es nicht so gefährlich, wie die Namen vermuten lassen. Aber ein faszinierendes Erlebnis nichtsdestotrotz, ob nun zum Angucken oder Selbermachen.

Tina Mottok

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