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Redaktionelles aus dem Bereich Fitness

Krafttraining oder: Es lebe der Hamster!

Früher war alles besser! Und das ist keineswegs nur so ein Gefühl, das ist ein blanker, erbärmlicher und demütigender Fakt. Da brauchte es keinen Zerrspiegel, um der Haut ihre Straffheit zurückzugeben, da zwickte der Rücken nicht mal nach einem Fallrückzieher auf Hallenboden und der kleene Schwingschwong war auch noch zu sehen, ohne auf der Waage den schiefen Turm von Pisa imitieren zu müssen. Abends vor dem Zubettgehen ließ man noch kurz den Hamster auftreten, ganz gleich, ob er auf den Strängen des Bizeps oder des Musculus Pectoralis herumtobte.
Heute kommen nurmehr müde Beileidsbekundungen, wann der Nager denn verstorben sei und warum der Kadaver immer noch da rumhänge.

Was hier zunächst noch ulkig als gekränkte Eitelkeit daherkommt, bezeichnet tatsächlich ein gesellschaftliches Gesundheitsproblem. Bis zu achtzig Prozent der Bevölkerung leiden im Alter zwischen 30 und 60 Jahren zeitweise oder gar permanent an Rückenschmerzen. Ein beträchtlicher Teil der Betroffenen verliert früher oder später dabei die Fähigkeit, einem regulären Vollzeitjob nachzugehen – ganz ohne Wirtschaftskrise. Wie viele Menschen hierzulande wie eine Lokomotive schnaufend dem Atemstillstand entgegensehen, nachdem sie in den dritten Stock gestiegen sind, ist zahlenmäßig nicht erfasst, dürfte aber ähnliche Ausmaße annehmen. Und was der zunehmend weniger wohlgeformte Körper mit dem eigenen Selbstbewusstsein anrichten kann, wenn man nicht von Geburt an mit einem selbstzweifellosen, optimistischen Naturell ausgestattet ist, haben wir einführend schon angedeutet. Ergreift man keine Gegenmaßnahmen, nimmt die Muskulatur zwischen dem zwanzigsten und siebzigsten Lebensjahr gewaltig ab, etwa dreißig bis vierzig Prozent gehen auf natürliche Weise flöten. Der Verlust kommt zwar schleichend, aber im Grunde nicht wirklich überraschend.
Umso erstaunlicher, dass regelmäßiges Krafttraining noch immer nicht im Alltag angekommen ist. Wenigstens die kleinen Bürotricks müssten doch längst Standard sein. Und doch werden noch immer Emails von Zimmer zu Zimmer verschickt oder Fahrstühle den zwei Treppen bevorzugt.

Zugegeben, effizienter und irgendwie auch leichter – jedenfalls, sobald man vor Ort ist – überwindet man den inneren Schweinehund im Fitnessstudio. Geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid und zur netten Gesellschaft kommt im Regelfall noch die kompetente Geräteeinführung und mitunter sogar ein auf die eigene Konstitution zugeschnittener Trainingsplan. Natürlich geht es bei dem hier angeratenen Gebrauch von Fitness-Geräten nicht um die alberne Pumperei, die der eigenen Körperform früher oder später den schmeichelhaften Vergleich mit einem aufgeblasenen Michelin-Männchen einbringt. Im Gegenteil, ein sinnvoll ausgeübtes Krafttraining hält die Muskulatur im Gleichgewicht, strafft das Gewebe und sorgt dafür, dass – der Schwerkraft trotzend – alles da bleibt, wo es hingehört. Konzentriertes Rückentraining sorgt für ein „muskuläres Stützkorsett“, das die empfindlichen Bereiche von Rumpf und Wirbelsäule stabilisiert. Wer es ausprobiert, wird über die spektakulären Erfolge staunen.
Ausdauer und Beweglichkeit lassen sich durch Krafttraining ebenfalls verbessern, klar, ein trainierter Körper bewältigt Anstrengungen jeglicher Art leichter als ein untrainierter. Der Ruhepuls liegt niedriger, man kommt auch ohne Atemnot wieder die Treppen hoch. Krafttraining korrigiert die allzu einseitige Muskelbeanspruchung des Alltags und führt gleichzeitig zu einer verbesserten Körperhaltung, schlaff war gestern! Kalorienverbrauch und Fettverbrennung nehmen zu, der frei gewordene Platz wird durch Muskulatur ersetzt und die Figur sieht mehr und mehr wieder aus wie eine solche.

Dass derartige Veränderungen einen positiven Effekt auf die Psyche, auf das Selbstbewusstsein haben können, ist keine besonders weit hergeholte Vermutung und lässt sich als angenehmer Bonus verbuchen. Nun wollen wir hier natürlich keine Wunderheilungen versprechen, das Ganze funktioniert nur mit einem Mindestmaß an Selbstdisziplin, Ausdauer und Zeitaufwand. Wer sich allerdings darauf einlässt, bleibt im Zweifel deutlich länger fit und kann seine Leistungsfähigkeit und damit auch die eigene Selbständigkeit bis ins hohe Alter erhalten. Denn ein ausgewogenes Krafttraining kennt wohl Anpassungen, aber Altersgrenzen sicher nicht. Und so ein bisschen Hamster abends vor dem Zubettgehen – ohne jede Eitelkeit – ist doch auch ganz schön …

Lars Lucke

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