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Redaktionelles aus dem Bereich Gesundheit und Wellness

5000 Jahre alt – doch fast wie neu geboren

Geschichte ist grausam. Geschichte ist brutal. Sie handelt von Toten, von Verwundeten, von Kriegen. Und die Welt heute präsentiert sich uns als genauso erbarmungslos wie die vor Hunderten von Jahren. Täglich werden wir mit schrecklichen Ereignissen konfrontiert, die ebenso Teil der Geschichte dieser Welt sind. Aber Geschichte kann auch positiv sein. Sie kann uns von schönen Dingen erzählen, von wohltuenden und fröhlichen Geschehen, es muss nicht immer um Mord und Totschlag gehen. Im Folgenden werde ich versuchen, die junge funpool-Rubrik „Body & Soul“ anhand Ihrer Geschichte greifbarer zu machen.
Es war im Jahre 1654, als ein englischer Lord namens Johnson das erste Mal den Begriff „wealnesse“ niederschrieb. Er bedeutete „gute Gesundheit“, ein Zusammenspiel der Worte „well-being“ und „Fitness“/ „Happiness“, und drückte Wohlbefinden, Spaß und eine gute körperliche Verfassung aus, in Körper und Geist. Haben die Engländer also die Wellness erfunden?
Eher nicht. Denn schon 4000 Jahre vorher experimentierte der Chinese Huáng Di mit dem Zusammenwirken von gymnastischen Übungen zur besseren körperlichen Konstitution und befreienden Aroma-Massagen für ein geistiges Hochgefühl.

Ayurveda, eine indische Naturlehre mit physischen, mentalen, emotionalen und spirituellen Aspekten, gibt es gar schon seit 5000 Jahren. Beide Methoden stellten die Ganzheitlichkeit des Menschen in den Vordergrund, lange bevor westliche Ärzte angefangen haben, anstatt der Ursachen einer Beschwerde deren Symptome zu bekämpfen.
Nicht ganz so alt, aber nichtsdestotrotz immer noch alt genug, sind die Präventionstherapien und Behandlungsweisen der Griechen. Hippokrates zum Beispiel fand „eine edle Seele in einem schönen Körper“, indem er Leibesübungen zur Ertüchtigung mit entspannenden Bädern in parfümiertem Wasser verband. Im Dunklen Mittelalter dagegen geriet jemand, der schmerzlose Therapien und Heilmethoden dem barbarischen Ausbrennen von Wunden und dem Amputieren von Gliedmaßen vorzog, schnell in den Verdacht, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Und da so etwas dann doch zu schlimmen Schmerzen führen konnte, stagnierte die Entwicklung eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes erst einmal. Doch der Fortschritt lässt sich nicht ewig unterdrücken, und so fingen die Menschen irgendwann von allein wieder an, nach Möglichkeiten zu suchen, sowohl ihre körperliche Gesundheit zu stärken, als auch seelisches Gleichgewicht zu erhalten und zu verbessern.

Besonders faszinierende und unterhaltende Beispiele finden wir dabei in den englischen Seebädern des 16. bis 19. Jahrhunderts. Die von den Römern entdeckten Thermalquellen erlebten eine Renaissance. Gutbetuchte Adlige oder reiche Bürger begaben sich den Sommer über, wenn London zu heiß, zu stickig, zu staubig war, nach Bath oder Brighton, um ihre geschundenen Glieder von Licht, Luft und Sonne verwöhnen zu lassen, und vor allem um Trinkkuren, Thalassotherapien und exotischere Varianten einer boomenden Wellness-Wirtschaft zu genießen. In alles verhüllenden Kostümen wurden die Besucher, natürlich streng nach Geschlecht und gesellschaftlichem Rang getrennt, in Badekarren zum Meer gefahren, um dort die heilende Wirkung des Salzwassers zu erfahren oder durch Ganzkörper-Zelte hindurch von kräftigen jungen Männern massiert zu werden.

Heutzutage hat Wellness vor allem die Aufgabe, verloren geglaubte Methoden und Philosophien einer ganzheitlichen Erquickung von Körper und Geist zurückzubringen, damit der Druck der Welt auf den Schultern jedes Einzelnen nicht zu groß wird.

Tina Mottok

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